Rückenmarksverletzung
Eine Rückenmarksverletzung bedeutet, dass das Nervenbündel im Inneren der Wirbelsäule beschädigt ist. Dadurch werden die Signale zwischen Gehirn und den unterhalb der Verletzung liegenden Körperteilen teilweise oder vollständig unterbrochen. Dies kann – je nach Lage und Schweregrad der Verletzung – Auswirkungen auf Bewegung, Empfindung, Blasen- und Darmfunktion, Blutdruck und sogar die Atmung haben.
1) Was ist diese Erkrankung?
-
Das Rückenmark (die „Informationsautobahn“ zwischen Gehirn und Körper) wird durch Traumata (Stürze, Autounfälle, Sport, Gewalt) oder manchmal auch durch nicht-traumatische Ursachen (Tumore, Infektionen, Arthritis) gequetscht, komprimiert, durchtrennt oder auf andere Weise beschädigt.
-
Verletzungen können „vollständig“ (keine Bewegung oder Empfindung unterhalb der betroffenen Stelle) oder „unvollständig“ (einige Signale dringen noch durch) sein und können überall vom Nacken bis zum unteren Rücken auftreten.
2) Wie ernst ist die Lage?
-
Zu den Warnzeichen für einen Notfall nach einem Unfall gehören: starke Rücken-/Nackenschmerzen, Schwäche, Taubheitsgefühl, Gefühlsverlust, Verlust der Blasen-/Darmkontrolle, Schwierigkeiten beim Gehen oder Atembeschwerden.
-
Eine Rückenmarksverletzung ist medizinisch sehr schwerwiegend, da sie zu dauerhafter Lähmung, Atemversagen, gefährlichen Blutdruckschwankungen und lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann, insbesondere im ersten Jahr.
3) Nicht-operative Behandlungen
-
Erstversorgung im Krankenhaus oder auf der Intensivstation:
-
Die Wirbelsäule wird ruhiggestellt, Atmung und Blutdruck werden unterstützt und ein niedriger Sauerstoffgehalt oder niedriger Blutdruck, der die Rückenmarksschädigung verschlimmern kann, wird verhindert.
-
-
Arzneimittel und medizinische Versorgung:
-
Schmerzkontrolle, Blutdruckstabilisierung, Vorbeugung von Blutgerinnseln, Druckgeschwüren und Infektionen; hochdosierte Steroide werden heute viel seltener und nur noch in ausgewählten Fällen eingesetzt.
-
-
Rehabilitation:
-
Intensive Physiotherapie (Krafttraining, Dehnung, Gleichgewichtsübungen, Geh- oder Rollstuhlfertigkeiten) und Ergotherapie (Selbstversorgung, Transfers, Geräteschulung).
-
Hilfsmittel wie Rollstühle, Orthesen, Stehgeräte und manchmal elektrische Stimulation oder robotisches Gangtraining.
-
4) Welche Art von Operation könnte erforderlich sein?
-
Dekompression: Entfernung von Knochenbrüchen, Bandscheibenvorfällen oder verdicktem Gewebe, das auf das Rückenmark oder die Nerven drückt.
-
Stabilisierung/Fusion: Einsetzen von Schrauben und Stäben, manchmal mit Knochentransplantaten, um instabile Wirbel neu auszurichten und zu fixieren, damit sie sich nicht mehr gefährlich bewegen können.
-
Die Operation kann von vorne, von hinten oder von beiden Seiten der Wirbelsäule erfolgen, je nachdem, wo und wie die Wirbelsäule verletzt ist.
5) Ziele der chirurgischen versus nicht-chirurgischen Behandlung
-
Nicht-operative Ziele:
-
Schützt die Wirbelsäule und das Rückenmark, verhindert weitere Schäden und behandelt Komplikationen (Lunge, Haut, Blase, Blutgerinnsel, Schmerzen) aggressiv.
-
Die verbleibende Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit sollen durch langfristige Rehabilitation und adaptive Hilfsmittel bestmöglich erhalten werden.
-
-
Ziele der Operation:
-
Den Druck auf Rückenmark und Nerven verringern, eine bessere Ausrichtung wiederherstellen und die Wirbelsäule stabilisieren, damit sie nicht zusammenbrechen oder sich verschieben kann.
-
Schaffen Sie Bedingungen, die die bestmöglichen Chancen für eine neurologische Erholung bieten und eine frühere und sicherere Mobilisierung ermöglichen.
-
6) Falls eine Operation notwendig ist, wie wird diese das Problem beheben?
-
Bei einer Dekompressionsoperation wird mehr Raum um das Rückenmark und die Nerven geschaffen, indem Knochenfragmente, Bandscheibenmaterial oder verdickte Bänder entfernt werden, die diese einengen.
-
Bei der Stabilisierung/Fusion werden Schrauben und Stäbe in gesunden Wirbeln ober- und unterhalb der Verletzung verankert; diese werden mit Knochentransplantaten verbunden und gestützt, sodass das Segment im Laufe der Zeit zu einem festen Block einheilt.
-
Eine frühzeitige Dekompression (vorzugsweise innerhalb von 24 Stunden) hat sich als sicher erwiesen und ist in vielen Studien mit besseren neurologischen Ergebnissen verbunden.
7) Risiken der Operation (allgemeine und spezifische)
-
Allgemeine Risiken: Infektionen, Blutungen, Blutgerinnsel, Lungen- oder Herzprobleme sowie Komplikationen bei der Anästhesie, insbesondere bei Patienten mit Mehrfachverletzungen.
-
Dornenspezifisch:
-
Verschlimmerung der Schwäche oder Taubheit, falls das Rückenmark oder die Nerven während der Operation weiter verletzt werden.
-
Hardwareversagen oder das Ausbleiben der Knochenfusion können weitere operative Eingriffe erforderlich machen.
-
8) Erfolgsaussichten dieser Operation
-
Eine Operation ist in der Regel wirksam, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und weitere mechanische Schäden zu verhindern; die neurologische Erholung hängt hauptsächlich davon ab, wie schwerwiegend die ursprüngliche Verletzung war.
-
Große Studien und Leitlinien zeigen, dass eine Dekompression innerhalb von 24 Stunden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer bedeutsamen neurologischen Verbesserung einhergeht, insbesondere bei inkompletten Halswirbelsäulenverletzungen.
9) Mögliche Komplikationen nach der Operation
-
Es kann zu Wundinfektionen, Liquorverlust oder Blutgerinnseln in den Beinen oder der Lunge kommen, insbesondere nach großen Versteifungsoperationen.
-
Anhaltende Schmerzen, Spastik oder Deformität trotz technisch erfolgreicher Operation.
-
Medizinische Komplikationen wie Lungenentzündung, Druckgeschwüre, Harnwegsinfektionen und autonome Blutdruckkrisen sind nach schweren Rückenmarksverletzungen häufig und erfordern eine kontinuierliche Prävention.
10) Typischer Genesungsverlauf (allgemein)
-
Die Genesung erfolgt üblicherweise in Phasen: Akutbehandlung im Krankenhaus (Tage bis Wochen), stationäre Rehabilitation (Wochen bis Monate) und anschließend langfristige ambulante Rehabilitation und Anpassung.
-
Menschen mit inkompletten Verletzungen (bei denen Bewegungsfähigkeit oder Empfindung teilweise erhalten geblieben sind) haben eine bessere Chance, die Geh- und Handfunktion wiederzuerlangen als Menschen mit kompletten Verletzungen.
-
Es können zahlreiche Komplikationen auftreten (Spastik, chronische Schmerzen, Blasen-/Darmprobleme, Druckgeschwüre, Knochenschwund), daher sind eine kontinuierliche medizinische Betreuung und Rehabilitation unerlässlich.
11) Typischer Genesungsverlauf nach der Operation
-
In der Anfangsphase: intensive Überwachung, Schmerzkontrolle, Vorbeugung von Komplikationen und sehr frühes Sitzen oder Stehen mit Hilfe, sofern dies sicher ist.
-
Wochen bis Monate: gezielte Rehabilitation mit den Schwerpunkten Transfer, Rollstuhlfahren oder Gehen, Handfunktion, Selbstversorgung und Wiedereingliederung in die Gemeinschaft.
-
Neurologische Verbesserungen treten, sofern sie eintreten, in der Regel in den ersten 6 bis 12 Monaten am schnellsten ein, können sich danach aber langsamer fortsetzen; die Rehabilitation bleibt langfristig sinnvoll.
12) Wie lange im Krankenhaus?
-
Unkomplizierte Verletzungen mit geringerem Schweregrad erfordern möglicherweise einen 1- bis 2-wöchigen stationären Akutaufenthalt, bevor die Rehabilitation beginnt.
-
Schwerere Verletzungen, die größere Operationen, Atemunterstützung oder Komplikationen erfordern, können einen mehrwöchigen oder längeren Krankenhausaufenthalt vor der Verlegung in ein spezialisiertes Rehabilitationszentrum notwendig machen.
13) Langfristige Perspektive
-
Die Lebenserwartung ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung reduziert, insbesondere bei hohen Halswirbelsäulenverletzungen, die eine Beatmung erfordern, und in ressourcenarmen Umgebungen, hat sich aber durch moderne Behandlungsmethoden verbessert.
-
Viele Menschen mit Rückenmarksverletzungen leben jahrzehntelang, gehen einer Arbeit nach, pflegen Beziehungen und nehmen aktiv am Leben teil – mit der richtigen Ausrüstung, Unterstützung und dem passenden Umfeld.
-
Langfristige Probleme (Schmerzen, Spastik, Blasen-/Darm- und Sexualfunktionsstörungen, Stimmungsschwankungen) sind häufig, können aber oft durch eine koordinierte Behandlung in den Griff bekommen werden.
14) Notwendigkeit einer ambulanten Nachsorge
-
Lebenslange Nachsorge durch Rehabilitationsmediziner und Hausärzte zur Überwachung von Haut, Lunge, Blase, Darm, Knochen, Kreislauf und Stimmung.
-
Regelmäßige physiotherapeutische und ergotherapeutische „Auffrischungen“ zur Justierung der Geräte, zum Erhalt der Kraft und zur Vorbeugung von Kontrakturen.
-
Regelmäßige Kontrollen durch Wirbelsäulenchirurgen und/oder Neurologen sind erforderlich, wenn Veränderungen der Schmerzen, der Körperhaltung oder neurologischer Symptome auftreten, die auf Spätkomplikationen hindeuten könnten.
15) Weitere Informationen zu neurochirurgischen Erkrankungen
-
Für detaillierte Informationen fragen Sie Ihren Hausarzt, ob eine Überweisung an einen Neurochirurgen ratsam ist.
- Als Patient der Cerbo Clinic können Sie sich jederzeit mit Dr. Singel in Verbindung setzen, um Ihre konkreteren Fragen zu klären.
-
Unser YouTube-Kanal „Gehirn & Wirbelsäule erklärt“ bietet allgemeine Informationen zu neurochirurgischen Erkrankungen und Behandlungsmethoden. Klicken Sie unten auf den YouTube-Button, um mehr zu erfahren.